
Snow Leopard
Nachdem Apple diese Woche das Releasedatum von Snow Leopard bekanntgegeben hat sind nun erste Versandbestätigungen aufgetaucht. Leider lässt sich bisher keine Sendungsverfolgung über das Apple Store Konto abrufen. Versendet wird es wohl mehrheitlich aus Holland.
Apple gibt eine Reihe von Verbesserungen dem Update mit, auszugsweise ein paar wichtige Änderungen:
QuickTime X
Bei der Installation von OS X ist QuickTime X standardmäßig Bestandteil; doch dem Benutzer wird wie erwähnt auch QuickTime 7 angeboten. Der Grund dafür: Einige Formate stehen in QuickTime X nicht mehr zur Verfügung, weswegen für Wiedergabe und Export noch zur älteren Version von QuickTime gegriffen werden muss. QuickTime X bringt als neue Funktion Aufzeichnung des Bildschirminhaltes an. Dabei werden aber keine Audioinhalte aufgenommen. Zudem gibt es nur die Option, den ganzen Bildschirm und nicht nur Ausschnitte aufzuzeichnen. Am Design hat sich einiges getan. Nicht nur QuickTime für den Mac, auch der eingebettete Player für Inhalte auf Web-Seiten verfügt über die neue Optik. Die Steuerungsleiste des eigebetteten Players ist in glänzendem Schwarz gehalten und orientiert sich am Aussehen des normalen QuickTime Players von QuickTime X. Dies ist zwar keine weltbewegende Neuerung, wird aber einigen Bereichen das gewohnte Bild einiger Internet-Angebote verändern.
Oberfläche
Apple hat sich dazu entschlossen, keine umfassenden Änderungen an der Oberfläche vorzunehmen, sondern an zahlreichen Stellen lieber Detailverbesserungen vorzunehmen. Die in der Gerüchteküche oft zitierte komplett neue Oberfläche “Marble” ist also nicht Bestandteil von 10.6. Einem geübten Auge fallen dennoch einige sinnvolle Neuerungen auf. Eine Neuerung betrifft die Stack-Navigation im Dock. Hier ist mit Mac OS X 10.6 Snow Leopard endlich möglich, sich wie in der Listen-Ansicht durch Ordner zu bewegen. Der vorherige Stack verkleinert sich dabei als Symbol. Über das Kontext-Menü lassen sich Dateien im Papierkorb wieder zurück an ihren Ursprungsort verschieben. Weitere Neuerungen sind umfangreichere Audio– und MIDI-Einstellungen, eine detailliertere Angabe bei Auswurf-Problemen von Wechselmedien und Images, eine umfangreicher Verwaltung der Tastaturkürzel, ein leicht verbessertes Quick Look, sowie eine Rechtschreibverwaltung in den Ländereinstellungen. Außerdem bietet Apple mit “Dock Exposé” eine weitere komfortable Möglichkeit, um zwischen Dokumenten zu wechseln. Anstatt wie bis jetzt eine Taste zu drücken, um alle Fenster anzuzeigen bzw. alle von einem bestimmten Programm geöffneten Fenster zu betrachten, geht Dock Exposé einen Schritt weiter. Über das Dock kann mit einem Klick auf ein laufendes Programm ein Exposé für die zugehörigen Programmfenster ausgelöst werden.
32/64 Bit
Wirft man einen Blick auf die Aktivitätsanzeige unter Snow Leopard, so fällt hier eine wichtige Neuerung auf. Apples Systemprogramme laufen alle als 64-Bit-Anwendung. Zuvor hatte Apple an dieser Stelle immer nur PowerPC– und Intel-Programme unterschieden. Der Kernel hingegen startet auch bei neuen Macs standardmäßig im 32-Bit-Modus. Dies ist zwar unkritisch und wird nicht für schlechtere Systemleistung sorgen, allerdings sorgte diese Entdeckung für einige Überraschungen, nachdem zuvor suggeriert wurde, das ganze System werde im 64-Bit-Modus betrieben. Auf kompatiblen Macs ist es möglich, den Kernel zu zwingen, im 64-Bit-Modus zu starten. Um in Erfahrung zu bringen, welche Macs dies grundsätzlich unterstützen muss ioreg –l –p IODeviceTree | grep firmware-abi ins Terminal eingegeben werden. Einen 64-Bit-Boot erzwingt man, indem beim Neustart die Tasten 6 und 4 gedrückt gehalten werden. Allerdings ist es fraglich, ob dies momentan überhaupt Vorteile bringt.
GrandCentral/OpenCL
Bei OpenCL handelt es sich um eine Technologie, mit der die normalerweise bei gewöhnlichen Aufgaben nicht genutzte Rechenleistung der Grafikkarte eingebunden werden kann. Da die Grafikprozessoren sehr leistungsfähig sind, lassen sich bestimmte Aufgaben so je nach Anwendungsbereich signifikant beschleunigen. Apple macht in Snow Leopard erstmals Gebrauch von dieser Technologie und erwähnt zwar zwar nur deutlich verbesserte Rechenleistung, die bisher nur für grafiklastige Programme möglich war. Das Potenzial von OpenCL ist aber noch weitreichender. An der Entwicklung von OpenCL beteiligten sich neben Apple unter anderem auch Nvidia (trotz CUDA), ARM und Intel. Generell sind sich OpenCL und Nvidias CUDA sehr ähnlich, ein wichtiger Unterschied ist aber, dass bei Apples Lösung nicht nur bestimmte Nvidia-Grafikkarten eingesetzt werden können.
Microsoft Exchange
Mit Unterstützung von Microsoft Exchange Server 2007 setzte Apple eine Neuerung um, die den Mac noch interessanter für das Unternehmensumfeld machen könnte. Apple lizenzierte Exchange und erlaubt damit die Anbindung von iCal oder Mail in ein bestehendes Exchange-Netzwerk. Dem Nutzer stehen dabei alle Funktionen zur Verfügung, die er aus OS X bereits kennt, inklusive Spotlight-Suche.
In Stichpunkten: Weitere neue Funktionen
- Bildschirmfotos heißen nicht mehr Bild 1, Bild 2, Bild 3, sondern tragen das Aufnahmedatum im Titel
- Backups mit Time Machine sollten schon mit der Betaversion 50 Prozent schnell angelegt werden; bei der finalen Version spricht Apple sogar von 80 Prozent
- Höhere Auflösung von AV-iChats, dennoch weniger Rechenleistung und Bandbreite erforderlich
- Automatische Updates für Druckertreiber
- Finder neu entwickelt: Jetzt mit Cocoa
- Programmsymbole im Finder auf 512x512 Pixel vergrößern
- Spotlight mit konfigurierbaren Suchorten
- Das System fährt schneller runter
- Zugriff auf “HFS+”-Volumens bei der Verwendung von Boot Camp
- Der Gammawert wurde von 1,8 jetzt 2,2 geändert, was zu satteren Farben führt
- Neue Berechnung des Speicherplatzes, reale Werte werden angezeigt
- Nvidia GeForce 9400M kann zur Videokodierung eingesetzt werden.
- Vorschau ermöglicht nun den direkten Zugriff auf den Scanner
- Bei mehrspaltigen PDF-Dokumenten funktioniert Kopieren und Einfügen nun endlich korrekt
- VoiceOver-Trackpad und Unterstützung von mehr als 40 Braille-Displays
- Automatischer Scann von Downloads nach Viren und Trojanern
- Erweiterter Schutz vor Safari-Abstürzen bei fehlerhafte Internet-Plug-Ins
- Erhöhte Script-Geschwindigkeit in Safari dank 64-Bit
- Icon-Vorschau direkt im Finder inklusive Video-Wiedergabe
- Zuverlässigeres Auswerfen von Medien und detailliertere Fehlermeldungen
- Automatische Fehlerkorrektur von gängige Schreibfehlern in TextEdit
Für wen lohnt sich das Upgrade?
Sieht man einmal davon ab, dass 10.1 ein kostenloses Update von Mac OS X 10.0 war, handelt es sich bei Snow Leopard um das günstigste Upgrade in der Geschichte von Mac OS X. Wer eine Vielzahl neuer Funktionen erwartet, wird in Snow Leopard eher weniger fündig. Auch dies könnte ein Grund sein, weswegen sich Apple für diesen niedrigen Upgrade-Preis entschieden hat.
Dennoch kann man nahezu allen Besitzern eines Intel-Macs das Upgrade aus Snow Leopard empfehlen. Trotz des niedrigen Preises wird eine große Anzahl an Neuerungen geboten, wenngleich diese für den Anwender eher unsichtbar sind und sich vermutlich erst in Monaten bis Jahren wirklich auszahlen — dann nämlich, wenn auch Entwickler Gebrauch von GrandCentral und OpenCL machen.
Ohne Zweifel werden in Version 10.6 noch viele kleinere Fehler auftauchen, so dass besonders vorsichtige Nutzer lieber auf Version 10.6.1 warten sollten, bevor sie auf Snow Leopard wechseln. Auf 32-Bit-Macs fallen die Vorteile von Snow Leopard zwar geringer aus, doch lohnt sich hier angesichts des niedrigen Preises trotzdem ein Upgrade, da auch die ersten Macs vom schlankeren Unterbau profitieren.
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